Geht Deutschland an den Flüchtlingen finanziell zu Grunde? Ein Klarstellung.

By Michael Katzmann | Thema der Woche

Warum Flüchtlinge ausgerechnet nach  Deutschland kommen?

Eines möchte ich gleich von Anfang an klarstellen: Geld sollte nie ein Grund sein, Menschen und vor allem Flüchtlingen aus Kriegsgebieten nicht zu helfen.

Trotzdem werden in der momentanen Situation, neben den sozialen und politischen Folgen, auch die finanziellen Auswirkungen auf das Land heiß diskutiert.

Bilder und Texte von Bürgern wollen uns suggerieren, dass Deutschland auf Grund der hohen Flüchtlingsrate Pleite gehen wird oder, dass jene mehr finanzielle Zuwendung bekommen als die eigene Bevölkerung.

Das ist natürlich Unsinn.

Wir profitieren als Gesellschaft auf so vielen Ebenen von der momentanen Bewegung.. Hört sich makaber an, ist aber so.

Die Liste an Vorteilen ist groß, jedoch überlasse ich dies anderen Menschen, Blogs und Foren, denn bei der Geldkatze geht es um Wirtschafts- und Finanzthemen. Und genau von diesem Standpunkt aus, werden wir die momentane Situation jetzt etwas genauer betrachten:

Erste Frage: Warum kommen ausgerechnet so „viele“ Flüchtlinge nach Deutschland?

Ein Grund dafür ist die freundliche Kultur, das stets gute Wetter und Weißwürste…ne, natürlich Quatsch!

Bier und Brezen_Bild Michael Katzmann_Geldkatze_Flüchtlingen

In Deutschland werden Menschen nicht verfolgt und können in Frieden und in Freiheit leben. Es hat sich herumgesprochen, dass Menschen hier willkommen sind.

Ein weiterer wichtiger Grund ist auch der Reichtum Deutschlands. Wir sind eines der mächtigsten Wirtschaftsländer der Welt, bei uns herrscht zur Zeit so gut wie Vollbeschäftigung und wenn man arbeitet, kann man sich hier ein bekömmliches Leben aufbauen.

Würde es uns nicht so gut gehen, wären die Wiederstände in der Politik, aber auch bei der Bevölkerung wesentlich höher. Es ist einfach leichter das Brot zu teilen, wenn man mehr als genug davon hat.

Wir erleben zur Zeit einen in dieser Form schon lange nicht mehr dagewesenen Flüchtlingsstrom. Und viele Fragen sich, ob wir in Deutschland die „finanziellen Lasten“ überhaupt tragen können.

Geht Deutschland daran zugrunde oder ist es ein Hoffnungsschimmer?

Welche Faktoren spielen eine Rolle und wie könnte die (finanzielle) Zukunft mit unseren neuen Bürgern aussehen?

Wer mehr über die momentane Situation erfahren möchte, dem empfehle ich das folgenden Video.

Belasten uns Flüchtlinge finanziell?

Die Frage nach einer fairen Verteilung der Flüchtlingsströme und welches Land mit wie viel Geld dafür aufkommen muss, ist inzwischen eine leidige Diskussion im europäischen Parlament sowie innerhalb der jeweiligen Landesregierungen.

Aber belasten uns die Flüchtlinge wirklich (finanziell)? Hat Hans-Werner Sinn, der berühmte Chefökonom des Ifo Instituts, recht wenn er behauptet, Migration sei ein Verlustgeschäft für Deutschland?

Die einfache Antwort ist: Am Anfang ja, jedoch nicht so, wie manch einer sich das vorstellt.

Flüchtlinge 1945
In Richtung Westen bewegen sich die zahllosen Flüchtlinge

Die große Herausforderung ist die Erstversorgung und die Aufnahme der Flüchtlinge.

Zuerst  wird der Status der Menschen festgestellt und entschieden, wer bleiben darf und wer nicht. Für die, die bleiben dürfen, muss Wohnraum gefunden werden und sofort mit der sozialen und wirtschaftlichen Integration begonnen werden. Das ist erst einmal ein hoher Verwaltungsaufwand und schlägt sich in einem ersten Schritt mit hohen Kosten nieder.

1.491.289.000 Euro. So hoch ist der Betrag, den alle Bundesländer 2014 für Flüchtlinge ausgegeben haben. Diese Summe wird sich in den nächsten 2-3 Jahren mind. verdoppeln (den größten Teil trägt NRW, gefolgt von Bayern).

202.843 Menschen haben 2014 in Deutschland Asyl beantragt. Von Januar bis Juli 2015 sind es bereits 200.000 Asylbewerber und bis Dezember werden es voraussichtlich 800.000 Menschen sein.

140 Euro. So viel bekommt ein Flüchtling pro Monat an „Taschengeld“. Grundsicherungen wie Nahrung, Wohnraum und Hygiene sind somit gesichert. Für andere Belange bleiben damit weniger als 5 Euro pro Tag.

Diese Zahlen zeigen, dass die Situation erst einmal eine Menge Geld kostet. Aber handelt es sich hierbei wirklich um Kosten?

Die Wahrheit über die finanziellen Auswirkungen von Flüchtlingen

Wenn wir uns einen Moment Zeit nehmen und überlegen, wohin das Geld geht, dann werden aus den sogenannten Kosten schnell Investitionen –  ein Konjunkturprogramm mit sehr positiven Auswirkungen für die Wirtschaft, die Staatsfinanzen und damit für die Menschen in Deutschland.

Jeder einzelne Mensch, den wir aufnehmen, muss einen Integrationsprozess durchlaufen. Dadurch entstehen in erster Linie neue Arbeitsplätze.

Das Geld für Nahrung, Wohnraum, Hygiene usw. muss bei jemanden eingekauft werden. Dadurch profitieren alle Hersteller dieser Artikel. Die Unternehmen zahlen Steuern (ein Teil geht also sofort an den Staat zurück) und durch die höhere Nachfrage an Produkten wird mehr Umsatz ggf. Gewinn gemacht, welcher sich wiederum in höheren Steuereinnahmen für den Staat und mehr Arbeitsplätze für die Bevölkerung ausdrückt.

Die 5 €, dem Asylbewerber pro Tag vom Staat bleiben (nach Abzug der oben genannten Grundversorgungskosten), werden meist auch ausgegeben. Egal ob es sich um den Bäcker an der Ecke handelt, den Buchladen, der Deutschbücher verkauft oder um die SIM Karte für ein Handy: Eine sehr breite Schicht an kleinen und mittelständischen Unternehmen profitiert stark von den neuen Ankömmlingen.

Von einer erfolgreichen Integration profitieren wir jedoch nicht nur hier vor Ort in Deutschland. Viele schicken Geld in ihre Heimat und sorgen dafür, dass die Menschen aus ihren Herkunftsländer wirtschaftlich profitieren. Dies kann zwar nicht den Krieg verhindern, jedoch das Leid in der Heimat ein wenig lindern.

Zu den kurzfristigen wirtschaftlichen und finanziellen Vorteilen kommen noch langfristige Vorteile:

Sollte der Krieg einmal zu Ende gehen, werden die meisten in ihr Heimatland zurückkehren. Mit im Gepäck haben sie eine neu erlernte Sprache und das Wissen über den Deutschen an sich.

Das mag zwar etwas komisch klingen, aber mit wem machst du lieber Geschäfte: Mit jemandem, dessen Sprache du vielleicht weniger gut kannst und dessen Kulturkreis du nicht wirklich verstehst, oder mit jemanden, bei dem du einige Jahre lang gelebt hast und dessen Marotten, aber auch Vorteile du gut einordnen kannst?

Nach Statistiken des Bundesamt für Migration, bleiben gerade mal 26% der Migranten länger als ein vier Jahre.

Geschichtlich betrachtet wissen wir, dass es profunde Vorteile hat, wenn ein anderer Kulturkreis die Sprache und Gewohnheiten des Partners kennt. Wusstest du z.B. das Sao Paulo in Brasilien der größte deutschen Wirtschaftsstandorte ausserhalb von Deutschland ist? Eben weil diese Kulturen sich so gut kennen, profitiert die heimische Wirtschaft im vollen Maße. Das impliziert mehr Jobs, mehr Steuereinnahmen und mehr Business für die heimische Wirtschaft.

Und dasselbe kann jetzt auch für den arabischen Raum passieren. Wir sprechen hier über eine Win-Win Situation.

Brauchen wir etwa mehr Menschen in Deutschland?

Die Zahlen und Fakten sprechen eine eindeutige Sprache:

6.500.000 Menschen. Um diese Zahl würde sich das Angebot an Arbeitskräften in Deutschland verringern, da wir zu wenig Kinder zeugen. Das Berichtet das Institut für Arbeitsmarktforschung und Berufsforschung. Dadurch finden Unternehmen keine passenden Arbeitskräfte, was das Wirtschaftswachstum verringern würde und damit auch den Wohlstand aller hier lebenden Menschen. Und wer soll dann die Rente zahlen? Ohne weitere Arbeitskräfte gehen wir den Weg einer veralteten Gesellschaft weiter, unter dem wir alle finanziell stark leiden würden.

533.000 Zuwanderer brauchen wir durchschnittlich für die kommenden 10 Jahre, um das Ausscheiden der  Baby-Bommer in Deutschland auszugleichen. Es werden schlicht zu wenig Kinder in Deutschland geboren, um den Anforderungen des zukünftigen Arbeitsmarktes in Deutschland gerecht zu werden.

37.101 Ausbildungsplätze wurden 2014 nicht besetzt. Unternehmen, die dringend junge Arbeitnehmer suchen, konnten ihre Stellen nicht besetzten und mussten dafür u.a. Einbußen in Kauf nehmen (Quelle: SZ, Nr. 196, 27.08.2015)

22.000.000.000 Euro. Um diesen Betrag haben die in Deutschland lebenden Ausländer die Sozialkassen innerhalb eines Jahres entlastet. Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung zahlte jeder in Deutschland lebender Ausländer durchschnittlich 3.300 mehr in die Kassen ein als jener beansprucht hat. Dabei wurden nur die Ausländer herangezogen die keinen Deutschen Pass haben. Nach Angabe der Studie, würde der fiskalische Nutzen mit großer Wahrscheinlichkeit noch höher ausfallen, da dieser Personenkreis im Durchschnitt ökonomisch erfolgreicher ist als die Gruppe der Ausländer.”

Jeder qualifizierte Asylbewerber ist für unsere Gesellschaft Gold“ wert und hilft uns, all unseren Wohlstand zu bewahren und zu vermehren. Jeder unqualifizierte sollte so schnell wie möglich einen Ausbildungsplatz (bitter notwendig) bekommen, um sich, seiner Familie und der Gesellschaft eine (finanziell) sorgenfreie Zukunft zu bescheren.

Nach dem letzten Bericht des Statistischen Bundesamtes arbeiteten gerade einmal 0,9% der Asylbewerber in Vollzeit (Quelle: SZ, Nr. 196, 27.08.2015). Das ist eine sehr geringe Zahl und liegt hauptsächlich daran, dass die Hürden vom Staat sehr hoch gesetzt sind. Dass ein Asylant einem deutschen Staatsbürger den Arbeitsplatz wegnimmt ist, durch dieses Ergebnis bewiesen, absoluter Nonsense.

Selbst wenn sich zwei Personen auf dieselbe Stelle bewerben, so wird mit hoher Wahrscheinlichkeit immer der genommen, der aus der EU bzw. aus Deutschland kommt. Diese sogenannte Vorgangsprüfung zieht einheimische, dann europäische Arbeitnehmer vor und entfällt erst nach 15 Monaten. Erst dann werden zwei Bewerber rein nach deren Qualifikationen bewertet.

So bitter die Situation auch für die Flüchtlinge ist, hier haben sie die Chance, sich eine neue Existenz aufzubauen und wir als Bevölkerung werden dadurch nicht verlieren, sondern gewinnen. Auch Wirtschaftsbosse, wie Dieter Zetsche (Geschäftsführer vom Mercedes) will Flüchtlinge aktiv anwerben und prognostiziert ein neues Wirtschaftswunder für Deutschland.

Fazit

Es ist an der Zeit, die Ängste in der Bevölkerung wahrzunehmen und genau zu durchdenken – gemeinsam müssen wir für eine bessere Zukunft arbeiten. Es geht in erster Linie um Menschen und unsere moralische Verpflichtung jenen zu helfen, die in Not sind. Ganz nebenbei gibt es eine Menge sehr positiver Effekte aus wirtschaftlicher und finanzieller Sicht. Spiegel Online hat schließlich die Behauptung von Hans Werner Sinn ins rechte Licht gerückt, den er hat den ökonomischen Wert von Migranten falsch berechnet.

Gemeinsam können wir eine bessere Welt erschaffen.

Lasst uns alle in Freiheit und mit Leidenschaft leben,

Eure Geldkatze

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About the Author

Ich bin Michael Katzmann und meine Mission ist es, das Wissen um Finanzen und Geld einfach und verständlich zu vermitteln.

Ja, jch bin ein Finanz-Nerd und seit 15 Jahren im Geschäft.

Warum ich die Geldkatze gegründet habe?

Ganz einfach.

Es geht mir ziemlich auf die Nerven wie sehr wir alle von der Finanzindustrie veräppelt werden. Ich weiß woven ich spreche, da ich selber in dieser Industrie gearbeitet haben und nun die Seiten gewechselt habe…

Ich verkaufe keine Finanzprodukte, sondern zeige Dir, wie Du die richtigen Entscheidungen triffst.

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